Essay

Rendezvous mit der Globalisierung, oder Autokratie via „Humanismus“ ?

Versuch über die so genannte Migrations- oder Flüchtlingskrise als Macht- und Disziplinierungs Instrument

– eine Kontroverse und Polemik – 

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Minderheit als Sündenbock?

Es wirkte fragwürdig, als Landesrabbiner a.D. Dr. Joel Berger, die in Israel gegen eine verfehlte wirtschafts- und Sozialpolitik protestierenden Menschen als eine Bewegung abtat, die nicht politisch sei. Dies wollten Korrespondenten nur so darstellen. Der Protest der wegen dem gestiegenen Preis für Hüttenkäse begonnen hätte und sich jetzt u.a. gegen Wohnungsüberteuerung richte sei doch kein politischer Widerstand. Die teilnehmenden Menschen würden alles kritisieren von Netanjahu bis Liebermann und Demo üben. Man imitiere Rebellion auf dem Rothschild Boulevard, der Protest sei politisch gemünzter gesellschaftlicher Aktivismus, da solle jeder auf dem Teppich bleiben. Leider blieb diese Aussage von Diskussionsleiter Oswald Burger unkommentiert. Nach wochenlangen landesweiten Protesten sind aber immerhin ca. 450.000 Menschen quer durch alle Bevölkerungsschichten auf die Strasse gegangen. Dies entspräche ca. 4,5 Millionen in Deutschland. Die bis dahin größte Demonstration in der wechselvollen Geschichte Israels. Diesen Protest auf solche Art abzukanzeln und in einer Diskussion über „Antisemitismus heute“ ein Vorurteil gegenüber dieser gesellschaftlichen Bewegung in die Welt zu bringen, war nicht nötig. Es war in diesem Zusammenhang fatal. Erinnert fühlte ich mich an den geringschätzigen Ausdruck „von ein paar verwirrten Sushi Essern“, mit dem der derzeitige Ministerpräsident Netanjahu die Protestierenden in den ersten Tagen der Bewegung bezeichnete. Wie verquer die Podiumsdiskussion am Sonntag gelegentlich geriet zeigte sich auch, als Rabbiner Berger den Habitus des rechtspopulistischen Außenministers Liebermann, der offen die Deportation der israelischen Araber befürwortet, „kumpelhaft“ als Heimzahler klein redete, den vieles mit arabischen Politikern verbinde, die auch heimzahlen wollten.

Die Ausführungen von Rabbiner Berger waren gerade vor dem Hintergrund der Begegnung und Diskussion mit den israelischen Jugendlichen bestürzend und nicht förderlich. Die jungen Menschen haben sich in der Martin Buber Herberge nachdenklich und auch bedrückt über ihre Lebenssituation, der wirtschaftlichen Ungewissheit, die politischen Konflikte und über ihre Ängste geäußert. Sie wissen sehr wohl Bescheid über diese gesamtgesellschaftliche Bewegung, deren Stimmführer, der Bedeutung für ihr Land und wohl auch über die Hoffnung, die sie damit vorsichtig verbinden. Wie würden sich wohl unsere Gäste, die israelischen Jugendlichen, gefühlt haben, hätten sie dieser Podiumsdiskussion über Vorurteile, Minderheiten, Diskriminierung und Verdrängung beiwohnen können?

Dass Rabbiner Berger mit seiner Äußerung einer von den „ewig Gestrigen“ ist, wie ein israelischer Kommentator in der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth über jene schreibt welche die protestierenden Massen gerne unpolitisch sähen, merkt er freilich nicht. Beide Diskussionsteilnehmer diskreditieren sich und die Thematik dadurch selbst, indem sie eben ihre politischen Vorstellungen was und wie Israel möglicherweise zu sein hat, ohne dies allerdings offen auszusprechen, über denen der dort lebenden Israelis stellen. Das scheint ein deutsches Phänomen zu sein, dass manch Einer israelischer als die gegenwärtige israelische Regierung selbst zu sein scheint oder glaubt sein zu müssen.

Und man fragt sich welches historische Verständnis dem zu Grunde liegt, als Herr Burger als Dikussionsleiter dieser Runde mit der unpolitischen Geste eines Lächelns auf den Lippen die Bemerkungen von Herrn Berger unkommentiert lässt um gleich zur Kritik an dem „Antisemiten Kritiker“ Prof. Moshe Zuckermann überleitet, der wohl einige besonders emsige Deutsche als halbamtliche Antisemitenjäger betituliert hat. Burger fühlte sich da wohl doch nicht betroffen, oder hat er gar seine Betroffenheit über den Professor abgewickelt, dem diese Schelle von Zuckermann offensichtlich angehängt wurde?

Kritik ja, jede Menge aber welche und mit welchen Konsequenzen? Alle Welt kritisiert Israel für seine 43 jährige Besatzung und die diskriminierende rassistische Behandlung der palästinensischen Bevölkerung, nur hat sich durch dies Kritik bis heute etwas geändert? Und warum immer nur Israel? Erstens ist das nicht so und zweitens weil wir Deutsche ziemlich verbunden sind mit allen Aspekten dessen was in diesem Land Israel und Palästina geschieht. Oder ist uns manches so unangenehm das es uns drängt „raus zu wollen aus der Opfer- und Täterrolle? Haben wir vergessen?

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Stattdessen verglichen die deutschen und israelischen Jugendlichen an diesem Tag unter Anleitung des Überlinger CDU Stadtrates Lothar Fritz in Pfullendorf (waren sei bei dem Kommando Spezialkräfte) das israelische und deutsche Militär, wie Fritz bei der Begegnung in der Jugendherberge am Tag vorher programmatisch ausführte. Auf Nachfrage konnte er nicht ausführen was damit eigentlich gemeint sei. Gibt es etwas Sinnloseres als israelische und deutsche Jugendliche einen solchen Vergleich zu zu führen. Darf man den Lokalpolitiker fragen was ihn umtreibt in seiner wiederholten Bemühung und in seinem historischen blackout Waffen zu vergleichen und dies Jugendlichen nahe zulegen? Mithin seine „eigene“ Wehrfähigkeit mit jener, die in der Hand von Nachkommen geführt werden, deren europäischen Vorfahren nahezu vollständig durch des Geschichtslehrers Mitkollektiv ausgerottet wurden.Ist das die Antwort seiner Scham?

Doch es gibt eine historische Variante. Nahtlos im Angesicht des Todes das Töten geboren. Und das ist, Paul Celan wusste es, ein Geschäft das in Deutschland zu Hause ist und welches den Tod zum Meister aus Deutschland werden lässt. Damals wie heute.

Man hätte sich übrigens auch die Kosten der Fahrt sparen können und flugs über die Straße vom Haus der Begegnung Martin Buber in den Rüstungsbetrieb DIEHL gleich nebenan spazieren können. Sehen so heute jene Begegnungen aus die Buber meinte? Oder werden da Dinge durcheinander gebracht mithin Halb- und Unwissen benutzt um eine Art provinziellen Konsens und Schulterschluss zu schustern, einen roten Teppich auszufahren für unschuldige Jugendliche die sich in den Händen von Weltpolitikern und halbseidenen politischen lokal heroes im Klammergriff befinden?

Wieso spricht Geschichtslehrer Fritz in der Sprache des Krieges wo es um Geschichte, vergangener und gegenwärtiger und Friedfertigkeit ginge. Jüdischer – israelischer Geschichte und palästinensischer Geschichte. Oder blendet er schamgebeugt das neue Unrecht aus.

Weis er dass es ein „Symbol“ für seine Waffenvergleiche gibt, Ereignisse die sich wirklich zutrugen.

Zum Symbol für die unglückseelige Geschichte im nahen Osten und den immer neu belebten Konflikt wurde die deutsche Mauser mit Hakenkreuz drauf, die aus einer Nazifabrik in Tschechien in die Hände der Hagana gelangt. Die Vororganisation der heutigen IDF stattete hiermit ihre ersten Kämpfer aus, oft schwer traumatisierte Überlebende der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, die jetzt mit Hitlers Gewehren in Palästina Araber zusammen schossen. Schon 1945 organisierte die Hagana in den deutschen DP Camps jüdische Überlebende um in dem zu erwartenden Krieg gegen palästinensische und arabische Bevölkerung zu ziehen.

Setzt da Fritz’ Geschichtsverständnis an? Beim Vergleich der Waffen?!? Israelische Spike Raketen in Koproduktion mit DIEHL DEFENCE in Überlingen am Bodensee für den europäischen Markt. Oder die neue………………………..

Endlich sind wir eins im Kampf gegen alles was sich gegen Israel (und den Westen) rührt. Ist das die immer noch braune Soße die hier am Bodensee hochschwappt?

Da wird’s brenzlig. Das passt dann also zu dem  Hinweis im Südkurier vom 25.08.2011 (….auch die Angst vor antisemitischer Verfolgung ist eben immer noch Realität. Deshalb muss man sich aus Sicherheitsgründen für die Jugendbegegnung anmelden. „Man sieht, dass alles so normal nicht ist“…..,) dass die Daten von Zuhörern vor dem Gespräch in der Jugendherberge aus Sicherheitsgründen erfasst werden müssten, da man auch hier nicht vor Antisemitismus gefeit sei. Ich bin keinem begegnet. Wir wollten ja nicht in den Hochsicherheitsbereich der Firma DIEHL sondern in eine Jugendherberge. Oder liegt diese mit jenem wegen der rüstungsgeschäftlichen Zusammenarbeit mit Israel zu nahe bei einander?! Was soll dies „an die Wand malen“ von Ängsten um bei Jugendlichen Sicherheitsbedürfnisse zu produzieren, die Rüstung rechtfertigen? Wie absurd muss dieses Theater auf dem Rücken nachwachsender Generationen noch veranstaltet werden, durchmischt mit dem Trauma Antisemitismus der überall lauere wo israelische Bürger sich folglich wehrhaft zeigen müssen. Da helfen wir Deutsche gerne nach und mit. Schließlich verdienen wir auch daran. Man nennt das: Das Delegieren von Opfer sein.

Und dass es der hiesige Gemeinderat nach über 500 Jahren immer noch nicht geschafft hat die Opfer des Überlinger Pogroms von 1331 entsprechend zu würdigen in Form eines Denkmales oder einer Gedenktafel, da wo die Synagoge stand in der heutigen Jakob Kessenring Straße oder am Spitalkeller, ist auch heute noch Ausdruck einer Verdrängung eigener Geschichte und nicht gerade von Freundlichkeit dem Anderen gegenüber gekennzeichnet.

Muss man stattdessen aus einem Stück dunkler und mordlustiger aber bekannten Überlinger Episode eine Art Krimi unter dem Titel: „Juden in Überlingen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ machen , in dessen geschmacklosen Finale dann doch wieder der Münsterturm phallisch auf jüdischen Grabsteinen prunkt? Ist das christlicher Zionismus, evangelikales Rätselraten oder steht einfach manch einer auf der Leitung.

Sollte man sich nicht doch um die aktuelleren jüdischen Spuren kümmern, die z.B. der israelische Generalstabsschef (gegossenes Blei, als hätte man mit John Wayne zu tun) nach seinem letzten Krieg und seinem Einkauf in Überlingen in den Altstadtgassen hinterließ? Abspann mit Ente  gut Alles gut inbegriffen?!? Und sicher. Manch israelischer, also wahrscheinlich jüdischer Waffennarr wird gelegentlich hier gerne zu Gast sein. Möglicherweise die Softwarespezialisten der israelischen Rüstungsindustrie, deren Familien vielleicht auf Kurzurlaub und Fastenwochen bei Buchinger u.s.w. Warum auch nicht. Aber warum die nicht befragen, benennen. Gegenwart ist das.

Vielmehr sollte man sich dann auch um die heutigen Spuren jüdischen Lebens in Überlingen fragen die mit dem Auftritt des damaligen israelischen Generalstabschef Gabi Ashkenazi z.B. 2009 in Überlingen einen bedeutenden Gast hatte. Von dem man hier allerdings nicht wusste, dass zur gleichen Zeit englische Anwälte die Möglichkeit in Betracht zogen einen Haftbefehl gegen diesen zu erwirken.

Wenn eine bedingungslose Loyalität gegenüber Israel auch noch mit der Scham wegen unserer abgründigen Vergangenheit gleichgesetzt wird, wie Herr Geschichtslehrer Fritz dies neulich in einer Rüstungskritischen Diskussion anmerkte, muss man sich fragen wie dies unsere damaligen Opfer heute sehen würden.

Zum anderen hat Berger dem Bemühen von Oswald Burger einen „Antisemitismus zu bemühen ohne dass man einen Juden kennt“, einen witzige Bemerkung gegenübergestellt, indem er über Jesus, Einstein, Freud ausführte die alle so komische Dinge erfunden hätten, welche….

„Der Streit darüber, ob dieser Protest politisch ist oder nicht, ist natürlich, es wird von den Leuten von gestern durchgeführt, nur weil sie nicht wissen, wie jene eine andere Sprache sprechen.

Und dass eine Veranstalterin der jüdischen Kulturtage „raus will aus ihrer Opfer- und Täterrolle“ mag zwar eine öffentliche Äußerung ihres persönlichen Unmutes darstellen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir „für den Holocaust verantwortlich sind, nicht aber für die Politik des Staates Israel“. (Zitat Altkanzler Helmut Schmitt) Sie möchte Menschen und menschlichem begegnen nicht aber damaliger und vor allem heutiger Geschichte.

Nicht notwendig zu erwähnen dass der Vergleich der militärischen Stärke beider Länder, welches Herr Lothar Fritz als nächsten Programmpunkt nennt, in einer Zeit in der die Menschen die Hybris des exporiterten Militarismus anfangen zu durchschauen, fehl geht. Wo sind wir eigentlich?

Natürlich geht es um die Sicherheit Israels wie eines jeden Staates übrigens und nicht um dessen Delegitimierung, aber doch nicht um den Preis einer weltweit seit über 40 Jahren verurteilten Besatzung, der Diskriminierung der palästinensischen Bevölkerung und einer rassistischen Separationspolitik. Und welche Grenzen meint die jetzige Regierung wenn sie von ihrem Staat spricht? Alle Welt, die UNO inkl. Der USA sprechen von den 1967 er Grenzen. Warum akzeptiert Israel dieses nicht?! Es geht nicht an, Land zu wollen, aber nicht dessen Menschen die dort seit unvordenklicher Zeit leben.

linker Antisemitismus lt. Oswald Burger

…. das äußert sich z.B. so, dass der Blick auf das heutige Israel, die israelische Politik, Israelkritik rückwirkend ihren (der linken Antisemitisten) Blick auf die Juden in Deutschland bestimmt, Die Kritik an Israel sozusagen eine Distanz zum Judentum produziert.

Aber es gibt noch eine andere Quelle des Antisemitismus, das ist nämlich die Quelle die Israel als Quelle alles Bösen in der Welt sieht.

Rabbiner Berger

„All das was die Israelis tun, all das was sie anfassen ist von Bösem-…. da müssen sich die Herschafen fragen lassen, in Syrien wurden in Demonstrationen mehr als 1000 Menschen umgebracht, ich habe nirgendwo eine Demo erlebt wo man den syrischen Präsidenten als Mörder als Faschisten bezeichnet hätte. Oder der Sudan, Dafur. Wie nennt man aber eine Israelische antipalästinenische Aktion, oder wir vor einem Jahr dieser Angriff auf das Marmara Schiff?

Die typisch deutschen Debatten, der den Antisemitismus zum Fetisch werden lässt..

„Die Verkünder des ubiquitären Antsemitismusvorwurfs sind für Zuckermann ehemalige Linke, die ihren Rechtsruck und ihre (neoliberale) Wende – auch vor sich selbst – als Kritik an angeblichen (und wirklichen) Israelfeinden rationalisieren“

Es gab nicht nur die Banalität des Bösen, es gibt heute auch das Böse der Banalisierung.  Wer überall Antisemitismus „wittert“, schadet damit letztlich auch der israelischen Gesellschaft, für die Kritik  lebenswichtig sei. Völlig abwegig ist für ihn die permanente Immunisierung bewirkende Gleichsetzung von Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik. Er begründet dies schlüssig.“

aus:

http://www.freitag.de/community/blogs/wwalkie/das-boese-der-banalisierung—das-neue-buch-moshe-zuckermanns